Das Projekt
SALAM SHALOM – Projektbeschreibung eines zweistündigen szenischen Tanz-Musik-Theaters mit Videoinstallation in zwei Akten mit Pause
Zwei Frauen betreten die Bühne. Beide tragen Kopfbedeckung. Die eine hat ihr Kopftuch im Nacken gebunden, die andere unterm Kinn. Die Ähnlichkeit ist nicht zu übersehen. Später werden sie die Symbole ihrer Religiosität tauschen, doch zunächst stehen sie wie Schwestern Seite an Seite. Sie zitieren das Ende der Genesis, in der Gott den Menschen alles zur Verfügung gestellt und alles für sehr gut befunden hat.
Doch schon bei der Begrüßung des Publikums und der gegenseitigen Vorstellung bricht der erste Streit aus, der sich in allen Facetten durch den gesamten Abend ziehen wird. Zunächst oberflächlich und ironisch, bricht schließlich am Ende des ersten Aktes die ganze angestaute Wut, der Hass, die tief eingebrannten Vorurteile beider Seiten gegeneinander aus. Dieser massive Ausbruch verbaler und körperlicher Gewalt wird untermalt von propagandistischen Videoprojektionen israelischer und arabischer Medien. Erst im zweiten Akt gehen die beiden Frauen bewusst aufeinander zu, betrachten und erkennen ihre gegenseitigen Ängste und Leiden an. Ihr Streit bricht zwar immer wieder durch, doch sie haben sich bewusst dazu entschieden, trotz aller Differenzen der gegenseitigen Feindschaft ein Ende zu setzen.
Die beiden Frauen stellen während des Stückes ihr Leben als Besetzte und Besatzer dar, vor allem aber ihr Leben als Mütter, als Frauen und Schwestern, als Jüdin und Muslima, als Liebende. Sie tanzen und singen über ihre Sehnsucht nach Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit; sie streiten darüber, wer die wirkliche und endgültige Wahrheit kennt; und schließlich erkennen sie, dass es in ihrer Sprache, ihrer Kultur und vor allem in ihren Herzen viel mehr Ähnliches und Verbindendes gibt als Trennendes.
Immer wieder werden Videoprojektionen eingespielt, die teils zauberhafte Landschaften in Syrien, Israel und Palästina zeigen, aber auch die erdrückende Realität von Grenzzäunen, Trennungsmauern und Checkpoints. Die Bilder hat Nirit Sommerfeld selbst gedreht, als sie von 2007 bis 2009 in Israel gelebt hat und – meist illegal – nach Palästina gereist ist.
Roman Seehon begleitet als Percussionist mit orientalischen Rhythmen die ausdrucksstarken Tänze von Mouna Sabbagh. Zusammen mit Lili Sommerfeld (Gesang, Melodica) erweitert er die fünfköpfige Formation KLEZMORIM um Nirit Sommerfeld (Gesang), Andi Arnold (Sopransaxophon, Klarinette), Michael Engelhardt (Gitarre), Matthias Engelhardt (Bass) und Günther Basmann (Schlagzeug), die gemeinsam den gesamten musikalischen Rahmen von SALAM SHALOM gestalten.
In einem fulminanten Hochzeitstanz endet schließlich das Spektakel, nachdem beide Frauen – jetzt ohne jegliche Kopfbedeckung – einander zugehört und voneinander gelernt haben: die eine das Singen und die andere das Tanzen. Und wenn die Harmonie auch bis zum Schluss immer wieder gebrochen wird, in einem Punkt sind sich die beiden einig: "Wir weigern uns, Feinde zu sein!".